Navigationsmenüs (Musterschule)

Aktuelles aus der LFS

Zurück

21. Februar 2022

Die Baumkinder aus der Mangrove

Roman von Marisa Dittmar (Klasse 10c)

Großansicht öffnen

Die junge Autorin hat einen Roman geschrieben. Pflanzen sind darin die Hauptfiguren. Mangrovenbäume auf ihren langen Stelzwurzeln züchten sich mit Stöcken, die sie in die Erde stecken, richtige Beine. Sie werden beweglich. Und sie erfüllen sich einen langgehegten Traum: sie erkunden die Welt der Menschen. Dabei erleben sie allerhand Abenteuer. Schließlich treffen sie den Menschen Rislaba, die Ich-Erzählerin der Geschichte, und vertrauen sich ihr an. Mehr dazu ist im Buch zu lesen.

Frau Rohde hat ein längeres Interview mit Marisa geführt, das hinter dem Link zu finden ist. Wer das ganze Buch lesen möchte, findet es im Buchhandel.

Marisa Dittmar, Die Baumkinder aus der Mangrove

Interview:

Die Baumkinder aus der Mangrove – Ein Interview mit der Buchautorin Marisa Dittmar, Klasse 10c

Frau Rohde:  Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, das Buch zu schreiben?

Marisa: Es fing damit an, dass ich mit meiner Familie drei Monate in einer kleinen Stadt in Brasilien, Bragança, gewohnt habe. Dort haben wir einen besonderen Wald, der während der Flut überschwemmt wird, besucht – den Mangrovensumpf. Mein Papa ist Meeresforscher und hat für seine Arbeit in der Mangrove Proben gesammelt. Mein Bruder Yannick und ich durften dabei helfen. Es war abenteuerlich und idyllisch und wir sind von Schlamm verschmiert wieder rausgekommen.

Schon seitdem ich klein war, haben mich Geschichten, vor allem im Genre Fantasy sehr fasziniert und ich habe schon seit sehr jungem Alter selbst welche erfunden. Zuerst hat Mama meine kurzen Erzählungen für mich aufgeschrieben. Später habe ich selbst damit angefangen. Nachdem ich in der Mangrove gewesen war, stand für mich fest, dass dies der perfekte Schauplatz für meinen ersten längeren Roman sein sollte.


ROD: Erzähl doch mal kurz, worum es in deiner Geschichte geht.

Marisa: In der Mangrove, in der ich war, gibt es verschiede Baumarten. Eine davon hat sehr lange Stelzwurzeln, auf denen die Bäume stehen. Sie sehen aus wie Beine von dünnen Riesen. Meine Geschichte handelt von drei jungen Bäumen mit diesen langen Stelzwurzeln, die in der Mangrove aufgewachsen sind. Obwohl sich Bäume normalerweise vor den gefährlichen Menschen mit ihren Motorsägen fürchten, wächst in den drei Baumkindern ein ganz besonderer Wunsch. Sie wollen die Welt der Menschen kennenlernen. Als erstes müssen sie jedoch ein Hindernis überbrücken, nämlich das der fehlenden Fortbewegungsmöglichkeiten für Bäume.

Mit einem Blumentopf, wo zwei Stöcke, in Imitation der menschlichen Beine, hineingesteckt sind, begeben sich die Bäume, Rila, Soni und Niso, schließlich auf den Weg. Als Abenteurer und Helden gefeiert, durchqueren sie die Mangrove und irren anschließend durch eine brasilianische Stadt, Bragança. Natürlich dürfen sie sich unmöglich zeigen, denn jeder Mensch, der laufende Bäume sehen würde, wäre schließlich von Staunen überwältigt. Doch dann geschieht das Unvermeidbare. Rila, Soni und Niso werden entdeckt und einem Mädchen, Rislaba, der Ich-Erzählerin der Geschichte, zum Geburtstag geschenkt. Dank Rislabas freundlicher Hilfe, nachdem sich Niso ihr anvertraut hatte, schaffen es die Baumkinder durch einige weitere Gefahren. Aber ob sie es auch wieder sicher zurück in die Mangrove schafften, das müsst ihr schon selber nachlesen.


ROD: Ich glaube, ich kenne fast keine Bücher, in denen Pflanzen die Hauptfiguren sind. Wie bist du auf die Idee gekommen, Pflanzen eine Stimme zu geben?

Marisa: Einerseits haben mich Pflanzen schon immer fasziniert, denn dank meiner Familie bin ich sehr naturnah aufgewachsen. Ich habe mich oft gefragt, wie es wäre ein Baum zu sein, der zum Beispiel schon seit Jahrhunderten dort an dieser einen Stelle steht und beinahe zeitlos die Veränderungen der Welt miterleben konnte. Auch stellte ich mir vor, wie das Bewusstsein von Pflanzen wohl ist, und ob sich diese ihrer selbst wirklich nicht bewusst sind. Andererseits wollte ich etwas Neues erfinden, was meine Leser erstaunen würde und noch nicht ausgelutscht ist. Da kamen mir die Mangrove und die interessanten Bäume dort geradezu gelegen.

Die eigentliche Idee kam aber eher plötzlich und unerwartet. So ist es bei mir immer, beispielsweise während ich dusche oder schlaflos im Bett liege. Bei dieser Geschichte war es so. Mein Bruder Yannick und ich saßen auf dem Sofa und haben uns unterhalten. Ich weiß nicht mehr, wie genau wir auf die Bäume gekommen sind, aber plötzlich hatte ich eine verrückte Idee über laufende Bäume, die aus einem fliegenden Flugzeug gefallen sind und am Ende aber doch wieder aufgefangen werden, erzählt. Später habe ich noch lange darüber nachgedacht, das Flugzeug in meiner Geschichte zu erwähnen, aber am Ende passte es nicht in die Handlung und die Baumkinder sind stattdessen auf dem Dach eines Autos durch Bragança verschleppt worden.


ROD: Kannst du kurz erklären, wie wir uns die Sprache der Pflanzen, Bomeare, die du dir ausgedacht hast, vorstellen können? Wie kommunizieren die Bäume, auch über weite Strecken, miteinander?

Marisa: Ich habe mir Bomeare als eine Sprache, die nur über Gedankenkraft funktioniert, vorgestellt. Wenn Pflanzen bomearieren, senden sie einer anderen Pflanze einen Bomear, den diese in ihren eigenen Gedanken wahrnimmt. Dies funktioniert über jede erdenkliche Strecke, denn Pflanzen haben ja weder ein Handy, in welches sie mal eben eine Nachricht tippen können, noch können sie über weite Strecken hinweg reisen. Nun ja, zumindest nicht, bis die Baumkinder kamen… Inspiriert wurde ich dabei von der stillen Art und Weise, wie die Bäume stehen und einfach nur da sind…


ROD: Im 11. Kapitel deines Romans wechselst du in die Ich-Perspektive und erzählst, wie die Baumkinder zu euch nach Hause kommen. Was an der Geschichte ist autobiographisch?

Marisa: Ja, die Ich-Perspektive… Es ist die Form, die mir am natürlichsten liegt. Möchte man nicht schließlich denjenigen kennen, der die Geschichte erzählt? Dabei meine ich nicht mich als Autorin. Ich meine diese fiktive Person, die oftmals an der Geschichte beteiligt ist.

Um Ihre Frage zu beantworten: Sie haben schon Recht mit Ihrer Vermutung, dass die Geschickte etwas Autobiographisches hat. Ich bin zwar nicht wirklich Rislaba, aber in gewissen Zügen basiert sie durchaus etwas auf mir. Immer, wenn ich schreibe, gibt es diese eine Person in meinen Geschichten, die, ob ich es will oder nicht, mir ähnelt. Damit es nicht zu offensichtlich ist, habe ich aber einiges verändert. Zum Beispiel ist Rislabas Bruder älter und nicht wie in meiner Familie jünger. Außerdem habe ich ihr ein anderes Aussehen gegeben. Doch genau wie ich, identifiziert sie sich mit zwei Nationalitäten: Deutsch und Brasilianisch. Außerdem teilen wir die Liebe für die Natur.

Auch für andere Figuren oder einzelne Charakterzüge habe ich mich an Menschen meines Umfeldes orientiert. Dies sorgt, meiner Meinung nach, für lebendigere Charaktere. Ein Beispiel dafür ist Isin. Er ist etwas wie mein kleiner Bruder, der mir beim Hausaufgabenmachen immer über die Schulter geguckt und sich so Lesen und Schreiben selber beigebracht hat. Und genau wie mein Papa liebt auch Isin es seinen Kindern Wissen zu schenken und zu erklären.

Ach übrigens, auch mein neuer, englischsprachiger Roman, an dem ich gerade schreibe, hat etwas Autobiographisches. Der Roman heißt „Jacara in the World oft the Living“ und ist ziemlich gruselig, also eher etwas für Jugendliche.

ROD: Liebe Marisa, vielen Dank für das Interview! Wir sind gespannt, was wir noch von dir zu lesen bekommen!

Wer den Roman „Die Baumkinder aus der Mangrove“ von Marisa Dittmar gerne lesen möchte, der kann ihn im Buchhandel bestellen.

 

Interview von Frau Rohde mit der Autorin als pdf