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22. Dezember 2021

Einen Spalt breit Weihnachten

Das Gymnasium Liebfrauenschule Oldenburg wünscht allen Frohe Weihnachten!

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Lerngruppen stehen im aufgehenden Morgenlicht auf dem Schulhof und singen "O, du fröhliche"

Am 22.12.2021, dem letzten Schultag vor den Ferien, feiert die Liebfrauenschule gemeinsam Weihnachten. Der Gottesdienst findet wegen der Präventionsmaßnahmen in einem besonderen Format statt. Alle Lerngruppen sitzen in ihren Unterrichtsräumen. Sie hören das gesprochene Wort und die Musik der Blechbläser (Herr Möller) und des Klaviers (Frau Stahl) über die allgemeine Sprechanlage. Liedtexte zum Singen und Bilder zur Betrachtung werden über die Smartboards präsentiert. "Oh, du fröhliche" zum Abschluss singen dann alle gemeinsam auf dem Schulhof. Diese Feier geht besonders zu Herzen.

Zum Nachlesen sei hier die Bildbetrachtung unserer Schulseelsorgerin Frau Ahlers,  ungekürzt wiedergegeben.

 

"Bildbetrachtung

Wir hörten und sangen gerade das alte Adventslied „Oh Heiland, reiß die Himmel auf“ – geschrieben vom Jesuitenpater Friedrich von Spee in der Zeit des 30jährigen Krieges. Dieses Lied bezieht sich auf einen Bibeltext, den wir bei Jesaja finden. Es ist ein Sehnsuchtsbild, das Jesaja aufleuchten lässt und er findet dazu folgende Worte:

 

„Taut ihr Himmel von oben,
ihr Wolken laßt Gerechtigkeit regnen.
Die Erde tue sich auf und bringe Frieden hervor;
sie lasse Gerechtigkeit sprießen.
Ich, der Herr, will es vollbringen.“
(Jes 45,8)

 

Oh Heiland, reiß die Himmel auf – so heißt auch das Bild der Künstlerin Beate Heinen, das ihr jetzt alle vor euch seht.

Sie hat versucht, dieses Aufreißen des Himmels in Szene zu setzen.

Wir sehen viele Menschen von links nach rechts gehen – es ist ein wie ein Strom – sie gehen alle in eine Richtung: unaufhaltsam, leicht gebückt. Jeder Mensch geht seinen Weg – vielleicht eilt jeder seinem nächsten Termin nach, zur nächsten Aufgabe, zielstrebig nach vorn, dem Erfolg hinterher. Sie scheinen ohne Halt, orientierungslos und als ob sie ihren Platz noch nicht gefunden hätten. Auch kann ich – ausgehend vom aktuellen Zeitgeschehen – Flüchtlinge in den Menschen sehen – sie eilen in die Richtung, aus der sie Rettung erwarten.

Die Farben rot blau lila und grün kennzeichnen die Menschen als ganz verschieden – mit je eigener Geschichte, mit je eigenem Schicksal. Und doch liegt alles irgendwie unter einem Grauschleier. Es gibt kaum klare Konturen, keine eindeutige Gestalten. Es liegt eine Traurigkeit in der kollektiven Bewegung.

 

Doch da - mitten durch diese Menschenmenge geht ein Riss – in voller Länge – wie ein Blitz von oben nach unten. Ein heilsamer Riss – der Strom der Vorüberziehenden wird unterbrochen. Goldenes Licht bricht herein – warm leuchtend und hell. Menschen werden erkennbar. Gesichter sind zu sehen – da ist eine Familie: die Mutter, die das Kind trägt und der Vater, der Geborgenheit und Schutz gibt – Maria, Josef und das Jesus-Kind. Ein Spalt breit Weihnachten – nur ein Spalt, aber doch deutlich.

Da wo Liebe und Geborgenheit – inmitten der inneren oder äußeren Not, aber auch mitten im Getriebe und in der Gleichgültigkeit – erfahrbar wird, auch in unserem Leben – da ist Weihnachten und Gott wird Mensch.

Weihnachten bedeutet: Gott ist eingebrochen in unsere Welt – sein Licht, sein Friede und seine Liebe und seine Gerechtigkeit haben Hand und Fuss bekommen. Gott hat wahr gemacht, was Menschen seit uralten Zeiten erfleht und ersehnt haben. Er hat den Himmel geöffnet. Gold schimmert hindurch – Gold als Zeichen für das Göttliche, das Ewige.

Letztlich liegt es an uns, den Spalt breiter und weiter werden zu lassen. Es liegt an uns, ob Weihnachten nur zwei Tage dauert oder ob wir jeden Tag die Menschwerdung Gottes feiern und unser Umfeld menschlich und mitfühlend gestalten."