Navigationsmenüs (Musterschule)

Aktuelles aus der LFS

Zurück

04. Oktober 2021

Rolf-Joseph-Preis

Neele Heinke (Klasse 11) gewinnt einen Preis

Großansicht öffnen
Großansicht öffnen

"Na, alles koscher?! Jüdisch Sein - früher und heute" lautet der Titel ihrer Arbeit. Sie hat ihr Werk von 36 Seiten Umfang termingerecht beim Wettbewerb zum Rolf-Joseph-Preis 2021 eingereicht. In Zusammenarbeit mit der „Jugend schreibt“-Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Joseph-Gruppe e.V. entschieden, ihr dafür einen Preis zu verleihen. Welcher Preis das ist, wird sie beim Festakt Ende Oktober im Jüdischen Museum Berlin erfahren. Am 4.10. berichtete die NWZ Oldenburg ausführlich über ihre Arbeit und ihren Erfolg.

Herzlichen Glückwunsch aus der Liebfauenschue Oldenburg für dieses besondere Engagement!

Links:

Rolf-Joseph-Preis

NWZonline

 

Erläuterungen zu den beiden Arbeiten von Neele Heinke:

Fachgruppe Geschichte, Frau Birgit Schoedel:

Na, alles koscher?! – Jüdisches Leben damals und heute

Dieses Oberthema des „Rolf – Joseph – Preises 2021“ hat Neele Heinke aus der 10a zum Anlass genommen, sich mit jüdischem Leben speziell in Oldenburg intensiv auseinanderzusetzen und zu recherchieren, wie Antisemitismus zur Zeit des Großherzogtums und während der Weimarer Republik sowie im Nationalsozialismus aussah, aber welche Formen auch heute noch bestehen, wenn man an Schmierereien auf dem jüdischen Friedhof und am Denkmal an der Peterstraße denkt. Welch bedeutenden Beitrag Neele mit ihrer 36seitigen Arbeit für die Erinnerungskultur und den lebendigen interkulturellen Dialog geleistet hat, zeigt die Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Jury: Neele wird mit einem der ersten drei Plätze geehrt werden und ihre Ergebnisse in der FAZ unter der Rubrik „Jugend schreibt“ veröffentlichen können, die Preisverleihung findet Ende Oktober in Berlin statt.
Wie sehr Neele dieses Thema am Herzen liegt, zeigt auch ihr ebenfalls in diesem Jahr eingereichter Beitrag für den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der den Obertitel  „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ trug. Im Rahmen dieser Thematik hat die Schülerin sich mit der Lebensgeschichte der Oldenburgerin Wolfgard Voss auseinandergesetzt, einer Oldenburger Turnerin, die 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahm und im Team Deutschland in artistischer Gymnastik den vierten Platz errang. Die Jury der Körber-Stiftung hat Neeles Beitrag aus über 1300 Einsendungen mit einem Förderpreis in Höhe von 200 Euro ausgezeichnet.
Preis der Körber-Stiftung für Neele Heinke im Juni 2021

Einen Einblick in ihr Vorgehen gibt Neele selbst:

Zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten


Als ich das erste Mal vor der Aufgabenstellung des Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung stand, war ich zunächst ziemlich eingeschüchtert. „Bewegte Zeiten. Sport macht Geschichte“ – dazu ein Unterthema zu finden, war für mich ehrlich gesagt das schwierigste.

So dauerte es auch ein bisschen, bis mein Thema „Sportlicher Erfolg als Indikator gesellschaftlicher Umstände“ feststand. Dabei bin ich auf den Sport im Oldenburg der Nachkriegszeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Umstände eingegangen. Besonderes Augenmerk lag hierbei auf Wolfgard Voss, einer Oldenburger Turnerin, die an den Olympischen Spielen 1952 teilnahm.

Meine Arbeit ist in mehrere Themenschwerpunkte unterteilt.
Am Anfang habe ich Oldenburg bei Kriegsende und in der Nachkriegszeit betrachtet – zunächst die Kapitulation vor den Alliierten im Zweiten Weltkrieg, dann die Zeit der britischen Militärregierung und schließlich als Stadt in der neugegründeten Bundesrepublik.
Der zweite Abschnitt besteht aus einer Beschreibung vom Sport und den Vereinen in dieser Zeit. Danach folgt eine Darstellung der Gesellschaft in den 1950er Jahren und eine Betrachtung der Olympischen Spiele 1952.
Dieser Hintergrund ist wichtig, um die restliche Arbeit verstehen und einordnen zu können.
Als nächstes bin ich auf Wolfgard Voss eingegangen, bevor eine Einordnung in den gesellschaftlichen und sozialen Kontext der Zeit versucht habe. Als Vergleich habe ich hierzu das Leben meiner Urgroßmutter, die im gleichen Alter wie Wolfgard Voss war und zu der Zeit ebenfalls in Oldenburg lebte, dargestellt.
So wurde deutlich, dass sich die Möglichkeit, (sportliches) Talent zu fördern, oder überhaupt die Möglichkeit, Sport zu betreiben, auch immer an gesellschaftlichen Umständen orientiert.
Ein Gegenwartsbezug, also eine Betrachtung dieser These aus heutiger Sicht, und das Fazit schließen meine Arbeit ab.

Bei meiner Recherche war mir, natürlich neben der Landes- und der Universitätsbibliothek, vor allem das Archiv der Nordwest-Zeitung eine große Hilfe. In diesem Archiv sind alle erschienenen Zeitungsausgaben seit der Gründung im Jahre 1946 zu finden. Das hat mir vor allem sehr geholfen, den Lebensweg von Wolfgard Voss, so gut es ging, nachzuverfolgen.

Obwohl es für mich eine neue Erfahrung war, sich in ein vollkommen fremdes Thema einzulesen und sogar so stark in die Tiefe zu gehen, dass man im Internet nichts mehr dazu finden konnte, hatte ich viel Spaß dabei, sodass sich die Seiten (insgesamt 37) am Ende auch schnell füllten.

Zum Rolf-Joseph-Preis

Wie bereits beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten war auch das Thema des diesjährigen Rolf-Joseph-Preises, „Na, alles koscher?! – Jüdisches Leben damals und heute“, sehr offen, was zwar einerseits viel Spielraum bot, die Themenwahl aber ebenfalls zu einer Herausforderung machte.
Doch nach der Sonderausstellung im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte „Le´Chaim! – Jüdisches Leben in Oldenburg #1700JahreJüdischesLebenInDeutschland“ war mir relativ schnell klar, dass ich das Thema Antisemitismus in Oldenburg gerne näher betrachten würde – sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart.

Meine Arbeit lässt sich in drei Hauptabschnitte unterteilen.
Zunächst habe ich verschiedene Definitionen von Antisemitismus betrachtet und die unterschiedlichen Formen von Antisemitismus dargestellt. Denn obwohl sich alle Antisemitismusformen durch den Hass auf Jüdinnen/Juden auszeichnen, existieren trotzdem teilweise erhebliche Unterschiede zwischen z.B. Antijudaismus, völkisch-rassistischem Antisemitismus und antizionistischem Antisemitismus.
Der zweite Abschnitt behandelt die Geschichte des Antisemitismus in Oldenburg, von der ersten Erwähnung jüdischen Lebens in Oldenburg 1334 bis zur Situation in der Nachkriegszeit. Selbstverständlich war Antisemitismus vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus besonders ausgeprägt und gewaltsam, aber auch in den anderen Zeiten, wie beispielsweise zur Zeit des Großherzogtums oder während der Weimarer Republik, war Judenhass stets präsent.
Im letzten großen Abschnitt wird schließlich die aktuelle Lage erläutert. Dabei liegt der Schwerpunkt natürlich auf Oldenburg, wo das Thema immer noch bedeutsam ist, wie der Anschlag auf das jüdische Denkmal vom 27.07.2021 zeigte. Aber auch die bundesweite Situation spielt eine Rolle, da es in Zeiten von Social Media ungemein schwerer ist, einzelne Regionen vollkommen losgelöst voneinander zu betrachten. Besonders die Themen „Antisemitismus während der Corona-Pandemie“ und „Antisemitismus während der Eskalation des Nahost-Konflikts“ stachen hier heraus. Aber auch das Problem mit der grundsätzlichen Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden wird angesprochen, da vielen, wie auch mir anfangs, nicht klar war, dass jüdisches Leben in Deutschland oft nur auf den Holocaust und dessen Nachwirkungen verkürzt wird, obwohl jüdisches Leben weitaus vielfältiger ist.

Neben den mir bereits bekannten Recherchearten beispielsweise in Archiven oder in der Landes- bzw. der Universitätsbibliothek hatte ich dieses Mal auch die Möglichkeit, die schon erwähnte Ausstellung und die Jüdische Filmreihe in Oldenburg zu besuchen. Ebenfalls durfte ich ein Interview mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg führen, was mir sehr weitergeholfen hat und noch andere Aspekte öffnete.

Vor allem aus diesem Wettbewerb habe ich für mich persönlich viel mitgenommen. Gerade der Anschlag auf das jüdische Denkmal beim PFL, der gerade geschah, als ich meine Arbeit schrieb, hat mir nochmals gezeigt, wie akut das Thema Antisemitismus auch in Oldenburg ist.

Also: nein, es ist definitiv nicht „alles koscher“. Oldenburg bildet hierbei keine Ausnahme.
Man sieht, dass Antisemitismus sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart präsent war bzw. ist.
Neele Heinke