Navigationsmenüs (Musterschule)

Aktuelles aus der LFS

Zurück

28. September 2021

Prävention gegen Antisemitismus

Schülerinnen und Schüler der Liebfrauenschule Oldenburg im Cine K zum Film
„Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“

Großansicht öffnen

Große Videokonferenz der Schülerinnen mit Schauspielern und Regisseur

Was spielt sich bei einem jungen Menschen ab, wenn er vom Vater die Warnung erhält: „Wenn Du Jude bist, hasst dich die ganze Welt!“? Was soll ein (aus diesem Grund säkular aufgewachsener) jüdischer Jugendlicher tun, wenn er in einem sozialen Brennpunktmilieu aufwächst, in dem muslimische Jugendliche unterschiedlicher Herkunft Ausgrenzung aufgrund von Nationalität und Religionszugehörigkeit erleben und einige dann selbst schlimmste Diskriminierung und Gewalt an anderen Ethnien wie Juden ausüben - u. a. auch, weil sie selbst unrechte politische Gewalt an ihrer Familie erlebten?
Die Liebfrauenschule Oldenburg will sich mit der Bewerbung um das Ökumenische Gütesiegel Antisemitismusprävention und -intervention verpflichten, antisemitisches und allgemein rassistisches Gedankengut kritisch in den Blick zu nehmen und über Formen aufzuklären, wie diesem wirksam entgegengetreten werden kann. In Kooperation mit Herrn Klaus Thörner (Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V., Oldenburg) und dem Team des CineK konnten Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II nun anhand der filmisch umgesetzten Autobiographie von Arye Sharuz Shalicar und der Diskussion mit dem Regisseur Damir Luvacevic sowie den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern beklemmende Einblicke in die Lebenswelt von Juden und Migrantenkindern in Deutschland erhalten.
„Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ weist auf die tragische Position der Juden im Iran hin, wo Hunde als schmutzigste Wesen gelten. Doch auch in der Migration Community eines Brennpunktmilieus wie Berlin-Wedding gelten in den Gangs der muslimisch-arabischen Zuwandererkinder die furchtbaren rassistischen Diskriminierungen gegenüber Juden. Dies muss auch Arye Shalicar, geboren in Deutschland, Kind geflohener persischer Juden und als Jugendlicher aufgewachsen in Berlin-Wedding, erleben.
Innerlich zerrissen vom Leben in den Parallelwelten, fand Shalicar (im Film Soheil) hart und bestürzend Anschluss in den türkisch-arabischen Gangs, weil er aufgrund seines Aussehens für einen Muslim gehalten wird. Er ignorierte dabei zunächst deren politisch und religiös gesinntes Diskriminierungs- und Gewaltpotential. Zunehmend begriff er jedoch die Härten des israelbezogenen Antisemitismus. In jugendlicher Naivität traf er die gefährliche Entscheidung, sich nicht mehr vor seinen vermeintlichen Freunden verstecken zu wollen. Geoutet suchte er zielstrebig und trotz erneuter Diskriminierung – nun unter Juden - nach dem, was ihm durch seine jüdischen Wurzeln gegeben ist und dem er sich nicht entziehen kann. Arye Shaduz Shalicar gelang durch Studium und Kibbuzaufenthalt der Ausstieg. Er zog nach Israel, wo er heute ein bedeutender Politologe und Publizist ist, der seine jüdische Identität klar bekennt.
Buch und Film berühren die Schülerinnen und Schüler tief, denn es gilt, sich mit entscheidenden Fragen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen: Was alles ist Rassismus? Welche neuen Formen wirken heute und warum? Wie gehen wir selbst - nach den Gräueln der Rassenideologie des NS-Regimes an jüdischen und anderen Menschen, die vom Verbrecherregime als "unwert" etikettiert und vernichtet wurden, - verantwortlich mit Formen des Antisemitismus und Rassismus um? Welche Ursachen stecken hinter den vielfältigen antisemitisch-rassistischen Stereotypen? Diesen Fragen wollen sich die Schülerinnen und Schüler als ethisch-christlich denkende und handelnde Menschen unabhängig von ihrem Alter unbedingt stellen, um Mechanismen der Diskriminierung in Vergangenheit und leider auch Gegenwart keine Chance zu geben. Der Film spiegelt die Antworten in adaptierter Form auch dank der Auswahl der Schauspielerinnen und Schauspieler wider, die im Online-Interview über selbst erlebte rassistische Diskriminierung berichteten und sich auch deshalb sehr gut mit ihren Rollen identifizieren konnten. Autor, Regisseur und Schauspielerinnen und Schauspieler vermitteln uns die klare Botschaft gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt wegen rassistischer Vorurteile und zeigen uns gleichzeitig, wie Gräben überwunden werden können. Heidi Winckelmann