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22. Juni 2021

Wolfgard Voss 1952 Vierte bei Olympia

Neele Heinke, 10a, gewinnt mit einer Arbeit über die bisher einzige Oldenburgische Turnerin bei Olympia Förderpreis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

 

 

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Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wird in Deutschland seit 1973 durch die Körber-Stiftung durchgeführt. Ziel des Wettbewerbs ist es, dass sich junge Menschen mit der Geschichte Deutschlands auseinandersetzen. In einem mehrmonatigen Projekt gehen die Schüler einem Thema der Geschichte in ihrer Umgebung nach. In diesem Jahr lautete das Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“.
Neele hat sich zu dieser Thematik mit der Lebensgeschichte der Oldenburger Turnerin Wolfgard Voss auseinandergesetzt, die 1952 sogar an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahm und im Team Deutschland in artistischer Gymnastik den vierten Platz errang. Sie ist dabei der Frage nachgegangen, welche gesellschaftlichen Umstände es Wolfgard Voss im Oldenburg der Nachkriegszeit erlaubte, ihren Sport fast lückenlos weiterzubetreiben, während die Nachkriegszeit durch Flucht, Vertreibung, Wohnungsnot und weitere gesellschaftliche Probleme bestimmt war.
Neele hat dazu u.a. tiefgehend im Archiv der NWZ geforscht, um aus vielen Zeitungsartikeln ein stimmiges Bild zur Lebensgeschichte der Wolfgard Voss zu entwerfen. Die Jury der Körber-Stiftung hat aus über 1300 Einsendungen Neeles Dokumentation mit einem Förderpreis in Höhe von 200 Euro ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!
Ulrich Paetzold

NWZonline

Neele Heinke gewinnt auch einen Preis beim Rolf-Joseph-Wettbewerb 2021

Erläuterungen zu den beiden Arbeiten von Neele Heinke:

Fachgruppe Geschichte, Frau Birgit Schoedel:

Na, alles koscher?! – Jüdisches Leben damals und heute

Dieses Oberthema des „Rolf – Joseph – Preises 2021“ hat Neele Heinke aus der 10a zum Anlass genommen, sich mit jüdischem Leben speziell in Oldenburg intensiv auseinanderzusetzen und zu recherchieren, wie Antisemitismus zur Zeit des Großherzogtums und während der Weimarer Republik sowie im Nationalsozialismus aussah, aber welche Formen auch heute noch bestehen, wenn man an Schmierereien auf dem jüdischen Friedhof und am Denkmal an der Peterstraße denkt. Welch bedeutenden Beitrag Neele mit ihrer 36seitigen Arbeit für die Erinnerungskultur und den lebendigen interkulturellen Dialog geleistet hat, zeigt die Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Jury: Neele wird mit einem der ersten drei Plätze geehrt werden und ihre Ergebnisse in der FAZ unter der Rubrik „Jugend schreibt“ veröffentlichen können, die Preisverleihung findet Ende Oktober in Berlin statt.
Wie sehr Neele dieses Thema am Herzen liegt, zeigt auch ihr ebenfalls in diesem Jahr eingereichter Beitrag für den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der den Obertitel  „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ trug. Im Rahmen dieser Thematik hat die Schülerin sich mit der Lebensgeschichte der Oldenburgerin Wolfgard Voss auseinandergesetzt, einer Oldenburger Turnerin, die 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahm und im Team Deutschland in artistischer Gymnastik den vierten Platz errang. Die Jury der Körber-Stiftung hat Neeles Beitrag aus über 1300 Einsendungen mit einem Förderpreis in Höhe von 200 Euro ausgezeichnet. SOD

Einen Einblick in ihr Vorgehen gibt Neele selbst:

Zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten


Als ich das erste Mal vor der Aufgabenstellung des Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung stand, war ich zunächst ziemlich eingeschüchtert. „Bewegte Zeiten. Sport macht Geschichte“ – dazu ein Unterthema zu finden, war für mich ehrlich gesagt das schwierigste.

So dauerte es auch ein bisschen, bis mein Thema „Sportlicher Erfolg als Indikator gesellschaftlicher Umstände“ feststand. Dabei bin ich auf den Sport im Oldenburg der Nachkriegszeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Umstände eingegangen. Besonderes Augenmerk lag hierbei auf Wolfgard Voss, einer Oldenburger Turnerin, die an den Olympischen Spielen 1952 teilnahm.

Meine Arbeit ist in mehrere Themenschwerpunkte unterteilt.
Am Anfang habe ich Oldenburg bei Kriegsende und in der Nachkriegszeit betrachtet – zunächst die Kapitulation vor den Alliierten im Zweiten Weltkrieg, dann die Zeit der britischen Militärregierung und schließlich als Stadt in der neugegründeten Bundesrepublik.
Der zweite Abschnitt besteht aus einer Beschreibung vom Sport und den Vereinen in dieser Zeit. Danach folgt eine Darstellung der Gesellschaft in den 1950er Jahren und eine Betrachtung der Olympischen Spiele 1952.
Dieser Hintergrund ist wichtig, um die restliche Arbeit verstehen und einordnen zu können.
Als nächstes bin ich auf Wolfgard Voss eingegangen, bevor eine Einordnung in den gesellschaftlichen und sozialen Kontext der Zeit versucht habe. Als Vergleich habe ich hierzu das Leben meiner Urgroßmutter, die im gleichen Alter wie Wolfgard Voss war und zu der Zeit ebenfalls in Oldenburg lebte, dargestellt.
So wurde deutlich, dass sich die Möglichkeit, (sportliches) Talent zu fördern, oder überhaupt die Möglichkeit, Sport zu betreiben, auch immer an gesellschaftlichen Umständen orientiert.
Ein Gegenwartsbezug, also eine Betrachtung dieser These aus heutiger Sicht, und das Fazit schließen meine Arbeit ab.

Bei meiner Recherche war mir, natürlich neben der Landes- und der Universitätsbibliothek, vor allem das Archiv der Nordwest-Zeitung eine große Hilfe. In diesem Archiv sind alle erschienenen Zeitungsausgaben seit der Gründung im Jahre 1946 zu finden. Das hat mir vor allem sehr geholfen, den Lebensweg von Wolfgard Voss, so gut es ging, nachzuverfolgen.

Obwohl es für mich eine neue Erfahrung war, sich in ein vollkommen fremdes Thema einzulesen und sogar so stark in die Tiefe zu gehen, dass man im Internet nichts mehr dazu finden konnte, hatte ich viel Spaß dabei, sodass sich die Seiten (insgesamt 37) am Ende auch schnell füllten.

Zum Rolf-Joseph-Preis

Wie bereits beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten war auch das Thema des diesjährigen Rolf-Joseph-Preises, „Na, alles koscher?! – Jüdisches Leben damals und heute“, sehr offen, was zwar einerseits viel Spielraum bot, die Themenwahl aber ebenfalls zu einer Herausforderung machte.
Doch nach der Sonderausstellung im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte „Le´Chaim! – Jüdisches Leben in Oldenburg #1700JahreJüdischesLebenInDeutschland“ war mir relativ schnell klar, dass ich das Thema Antisemitismus in Oldenburg gerne näher betrachten würde – sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart.

Meine Arbeit lässt sich in drei Hauptabschnitte unterteilen.
Zunächst habe ich verschiedene Definitionen von Antisemitismus betrachtet und die unterschiedlichen Formen von Antisemitismus dargestellt. Denn obwohl sich alle Antisemitismusformen durch den Hass auf Jüdinnen/Juden auszeichnen, existieren trotzdem teilweise erhebliche Unterschiede zwischen z.B. Antijudaismus, völkisch-rassistischem Antisemitismus und antizionistischem Antisemitismus.
Der zweite Abschnitt behandelt die Geschichte des Antisemitismus in Oldenburg, von der ersten Erwähnung jüdischen Lebens in Oldenburg 1334 bis zur Situation in der Nachkriegszeit. Selbstverständlich war Antisemitismus vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus besonders ausgeprägt und gewaltsam, aber auch in den anderen Zeiten, wie beispielsweise zur Zeit des Großherzogtums oder während der Weimarer Republik, war Judenhass stets präsent.
Im letzten großen Abschnitt wird schließlich die aktuelle Lage erläutert. Dabei liegt der Schwerpunkt natürlich auf Oldenburg, wo das Thema immer noch bedeutsam ist, wie der Anschlag auf das jüdische Denkmal vom 27.07.2021 zeigte. Aber auch die bundesweite Situation spielt eine Rolle, da es in Zeiten von Social Media ungemein schwerer ist, einzelne Regionen vollkommen losgelöst voneinander zu betrachten. Besonders die Themen „Antisemitismus während der Corona-Pandemie“ und „Antisemitismus während der Eskalation des Nahost-Konflikts“ stachen hier heraus. Aber auch das Problem mit der grundsätzlichen Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden wird angesprochen, da vielen, wie auch mir anfangs, nicht klar war, dass jüdisches Leben in Deutschland oft nur auf den Holocaust und dessen Nachwirkungen verkürzt wird, obwohl jüdisches Leben weitaus vielfältiger ist.

Neben den mir bereits bekannten Recherchearten beispielsweise in Archiven oder in der Landes- bzw. der Universitätsbibliothek hatte ich dieses Mal auch die Möglichkeit, die schon erwähnte Ausstellung und die Jüdische Filmreihe in Oldenburg zu besuchen. Ebenfalls durfte ich ein Interview mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg führen, was mir sehr weitergeholfen hat und noch andere Aspekte öffnete.

Vor allem aus diesem Wettbewerb habe ich für mich persönlich viel mitgenommen. Gerade der Anschlag auf das jüdische Denkmal beim PFL, der gerade geschah, als ich meine Arbeit schrieb, hat mir nochmals gezeigt, wie akut das Thema Antisemitismus auch in Oldenburg ist.

Also: nein, es ist definitiv nicht „alles koscher“. Oldenburg bildet hierbei keine Ausnahme.
Man sieht, dass Antisemitismus sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart präsent war bzw. ist.
Neele Heinke

Rolf-Joseph-Preis für Neele Heinke